Chrystall Floods

Alexandre Cabanel: Gefallener Engel

Looke how the Limbeck gentlie downe distil’s,
In pearlie drops, his heartes deare quitescence:
So I, poor Eie, while coldest sorrow fills,
My brest by flames, enforce this moisture thence
In Christall floods, that thus their limits breake,
Drowning the hearte, before the tongue can speake.

Aus „Minerva Britanna“ (1612) – Henry Peacham (1578-1644)


Kristallflut der Tränen, destillierte Quintessenz des Herzens, von der Flamme verzehrt. Der Aggregatzustand unserer Trauer, der menschlichen Trauer ist seit jeher das versalzene, dicke Wasser, das uns aus den Augen strömt.
In jeder erdenklichen Form sind Tränen ein Ventil unseres Schmerzes (des direkt brennenden oder aber auch desjenigen nostalgischen Wehs, das die Freudentränen-Freude von einer bloß lächelnden Freude abhebt), das sich meist gegen unseren gefassten Widerstand öffnet und dem Darunterliegenden, das nicht mit Worten nach außen dringen kann, den Weg an die Außenwelt frei macht.

Aus „Minerva Britanna“ (1612) – Henry Peacham (1578-1644)

Das verbindet die Träne auf direkte Weise mit der musikalischen Geste, die in gleicher Weise Unsagbares ausdrückt und in durchdringenderer Weise mit unserem Innenleben verbunden ist, als das Wort es vermag.
In der Barockmusik wurde die Geste des Seufzers bis zum Erschöpfen ausgekostet. Ob in Frankreich, Italien, England oder Deutschland, überall wird nicht nur von den Tränen (les larmes, le lacrime, the tears, die Thränen) gesungen, es werden die Tränen selbst zur Musik. In unzähligen poetischen Bildern werden sie zu reißenden Bächen, brennenden Pfeilen, kristallenen Tropfen oder gar zu Eiszapfen und spiegeln so den gewaltigen Reichtum unserer schmerzlichen oder auch schmerzlich-schönen Gefühle.

Due sopra il Basso widmen sich in ihrem aktuellen Programm „Christall Floods“ ganz diesem Phänomen und betrachten die verschiedenartigsten Nuancen vom Weinen der Trauer in der frühen Barockmusik. Ein Fokus liegt dabei auf dem englischen Komponisten und Lautenisten John Dowland, der vor 400 Jahren verstarb.

Zum Ensemble:

Seit 2016 begeistert das dreiköpfige Ensemble Due sopra il Basso mit konzertanten und szenischen Programmen aus der Alten Musik. In außergewöhnlicher Formation – zwei Sänger und ein Lautenist – wird Musik aus Renaissance und Barock zum Klingen gebracht.
Einfache szenische Elemente bereichern die Konzerte von Due sopra il Basso, um dem musikalischen Erlebnis zusätzliche Tiefe zu verleihen.

https://duesoprailbasso.de/

Foto: Lux Studio Berlin

Wann: Mittwoch, 20.05., Beginn 18:30 Uhr, Einlass ab 18 Uhr
Wo: BTU Zentralcampus, Lehrgebäude 4A, Siemens-Halske-Ring 8, 03046 Cottbus

Achtung: Bitte beachten Sie, dass die Veranstaltung es erfordert, eine längere Zeit zu stehen. Sollten Sie dazu nur eingeschränkt in der Lage sein, melden Sie sich gerne im Vorfeld bei uns.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Fachbereich Wassertechnik und Siedlungswassertechnik der BTU statt. Vielen Dank!